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快三时时彩真的假的| Zweiter Weltkrieg D-Day: Invasion in der Normandie

An einem ungew?hnlich stürmischen Sommermorgen 1944 n?hert sich die gr??te Invasionsflotte aller Zeiten der von der Wehrmacht verteidigten franz?sischen Küste: 175.000 amerikanische, britische und kanadische Soldaten, fast alle junge Wehrpflichtige, sollen Europa befreien. Viele werden nicht einmal die ersten Minuten dieses "l?ngsten Tages" überleben
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Dienstag, 6. Juni, 0.16 Uhr.
6.30 Uhr. H-Hour.
6.49 Uhr.
9.00 Uhr.
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Dieses Bild sieht man in der Sekunde, ehe man sterben wird: ein halbmondf?rmiger Strand, Sand und Kies vor einer Steilklippe, Gras im Wind, die Spitze einer normannischen Kirche, so grau wie das Morgenlicht. Ein sch?nes Bild. Ein schreckliches Bild. Denn dieser Strand soll eigentlich zernarbt sein von Granaten und Bomben, sodass sich nichts Lebendiges mehr regt. Diese Küste, die eine Festung ist, in der sich Soldaten verstecken, Maschinengewehre, Geschütze und felsengro?e Bunker. Und dann sind die MG-Kugeln da, die Geschosse sind schneller als ihr Schall. Wen sie treffen, der ist oft schon tot, ehe er auch nur ihren Feuerknall h?ren k?nnte.

D-Day: Invasion in der Normandie

Um 6.30 Uhr stürmen die ersten Alliierten ?Omaha Beach?, einen von fünf Str?nden an der Küste der Normandie, die angegriffen werden sollen. Als die Bugrampe des Landungsbootes f?llt, werden die GIs von Deutschen aus versteckten Stellungen beschossen

"Omaha Beach", Normandie, 6. Juni 1944, gegen 6.00 Uhr.

Wolkenfetzen am Himmel, pfeifender Nordwest, Wellen ein, zwei Meter hoch, die Küste liegt noch etliche Hundert Meter voraus. 30 schwer bewaffnete amerikanische Soldaten warten aneinandergedr?ngt in einem kaum seetüchtigen Boot. Das zw?lf Meter lange, drei Meter breite, nur 70 Zentimeter tiefgehende Landungsboot schwankt auf den Wogen, kaltes Salzwasser schl?gt über die Seiten und die Rampe am plumpen Bug. Seit rund zwei Stunden schwitzen und frieren die Soldaten zugleich in ihren mit Chemikalien gegen Wasser und Gas impr?gnierten Uniformen, beh?ngt mit 30, 40 Kilogramm Ausrüstung, die Gewehre mit Plastikhüllen gegen Feuchtigkeit geschützt. Viele M?nner sind seekrank, und die Reste des Frühstücks schwappen nun um die Stiefel. Und vielleicht drückt auch Angst auf den Magen, auch Heimweh. Etwa bei Ray Stevens, einem 24-j?hrigen Oberfeldwebel der A-Kompanie des 116. Regiments, der wie fast alle GIs an Bord kein Berufssoldat ist, sondern ein Farmersohn aus Bedford, einer 3000-Seelen-Stadt in Virginia. Stevens ist ein Kind der Depression, mit 13 Geschwistern ist er w?hrend Amerikas schwerster Wirtschaftskrise aufgewachsen. Seit Ray denken kann, teilt er sein Leben mit dem Zwillingsbruder Roy. Die beiden haben als Halbwüchsige abends an einer Tankstelle Boxk?mpfe ausgetragen, um von Schaulustigen ein paar Cent zu verdienen. Sie haben gemeinsam eine Farm gekauft, für 3700 Dollar, denn Land war in der Krise wenig wert. Sie sind gemeinsam freiwillig zur Nationalgarde gegangen, dann zur A-Kompanie des 116. Infanterie-Regiments eingezogen worden. Sie haben den endlosen Drill gemeinsam durchgestanden und die Enge der Kasernen. Nun aber sind Ray und Roy Stevens getrennt, fast zum ersten Mal in ihrem Leben: Die Zwillinge stehen in verschiedenen Landungsbooten. Ray hat wenige Stunden zuvor seinem Bruder noch einmal die Hand reichen wollen, zum Abschied. Doch Roy, abergl?ubisch, hat gesagt, dass sie sich erst zur Begrü?ung wieder die H?nde schütteln sollen, wenn sie beide von den Landungsbooten herunter sind – in Frankreich, im Verlauf dieses 6. Juni. Zu dem Handschlag wird es niemals kommen.

An diesem kühlen Frühsommermorgen bewegt sich die gr??te Landungsarmee aller Zeiten auf die normannische Küste zu, insgesamt 175.000 Amerikaner, Briten und Kanadier sowie rund 200 Franzosen. Die M?nner kommen mit mehr als 30 Tonnen schweren Panzern und mit Geschützen. Mit Karabinern, Maschinengewehren, Pistolen, Bajonetten. Mit Flammenwerfern und M?rsern, Rohrbomben und Handgranaten, Haftsprengstoff und Minen. Ihre Aufgabe: Sie sollen den Kontinent erobern. Denn Europa wird auch im fünften Jahr des Weltenbrandes noch immer zum gr??ten Teil von Berlin aus beherrscht. Vom Nordkap bis zum Schwarzen Meer reicht die Macht der Nationalsozialisten; ihre Armeen stehen in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Luxemburg, in D?nemark und Norwegen, im Norden Italiens, auf dem Balkan, in Osteuropa, in der UdSSR. Und von Norwegen bis zu den Pyren?en haben sich Soldaten an den Küsten hinter Bunkern und Minensperren verschanzt, um jeden Invasionsversuch abzuwehren. Würde Ray Stevens sich in diesem Moment umdrehen, er s?he eine Welt in Graut?nen. Im frühen Morgenlicht, unter den Fetzen der vom Wind zerrissenen Wolkendecke, schimmert das Meer wie zerknittertes Packpapier; Gischt fliegt von den Wellenk?mmen. Auf dem ?rmelkanal schwimmt die ungew?hnlichste Flotte der Geschichte: 2727 Schiffe aus den USA, Gro?britannien, Kanada, Australien, Neuseeland, Südafrika, Frankreich, Belgien, Polen, Norwegen, Griechenland und den Niederlanden. Am Horizont hinter Stevens liegen sechs Schlachtschiffe, schwimmende Festungen wie die 175 Meter lange "USS Texas". Die Rohre ihrer Geschütztürme weisen zur Küste. 20 Kreuzer, 68 Zerst?rer und Dutzende weitere Kriegsschiffe sowie Hunderte Patrouillen- und Minenr?umboote, F?hren und Handelsschiffe formen einen weiten F?cher. Dazwischen dümpeln Truppentransporter. Vor diesen Schiffen strebt nun eine Flotte kleiner Wassergef?hrte zur Küste: etwa 2000 Landungsboote, die auf einen rund 90 Kilometer langen Abschnitt bei Caen zusteuern. Die Bootsführer haben Mühe, ihre meist kastenf?rmigen Gef?hrte auf dem gut 15 Kilometer langen Kurs durch Wind und Wellen zu bringen. Die starke Str?mung treibt sie ab. Viele Boote transportieren jeweils 30 Soldaten in den Ladebuchten, andere abgedichtete Sherman-Panzer, die dank zus?tzlicher Propeller im Wasser fahren k?nnen, oder plumpe Schwimmlastwagen. Ein paar Minuten zuvor sind mehr als 1000 Bomber Richtung Festland geflogen, in so dichter Formation, dass ihre Schatten den Boden verdunkelten. Nun kreisen alliierte Jagdflugzeuge zwischen den Wolken. Gr??ere Landungsschiffe ziehen Sperrballons an langen Leinen mit sich, um so feindliche Sturzkampfbomber auf Distanz zu halten. Doch der Wind zerrt so stark an ihnen, dass die schlackernden Seile für die Mannschaften gef?hrlich werden: Manche Kapit?ne greifen deshalb kurzerhand zur Axt und zerhacken die Leinen der Ballons, die am grauen Himmel verschwinden. Die Schlachtschiffe nehmen aus etwa 17 Kilometer Entfernung die Küste unter Feuer. Bei jeder Salve der 356-Millimeter- Geschütze drückt der Rücksto? die 27.000 Tonnen schweren Kolosse seitlich durchs Wasser, hohe Wellen schwappen auf. Andere Schiffe feuern aus Raketenwerfern gewaltige Salven in Richtung der Str?nde ab. Die Geschosse rasen dicht über die Landungsboote hinweg, die in der meterhohen Dünung schwanken. In den Booten stinkt es nach der Impr?gnierung der Uniformen und nach dem Fett, mit dem Panzer und Jeeps gegen Feuchtigkeit eingeschmiert sind, nach Schwei? und Erbrochenem. Dann verstummt das Grollen von See: Die Schlachtschiffe und Kreuzer stellen das Feuer ein, denn die ersten K?hne n?hern sich dem Strand.

D-Day: Invasion in der Normandie

Der Kriegsreporter Robert Capa ist einer der wenigen Fotografen, die mit den Amerikanern landen. Noch im Wasser vor Omaha Beach ger?t seine Einheit unter schweres Feuer. Ein Soldat k?mpft sich zwischen Sperren hindurch, die von den Verteidigern errichtet worden sind. Sp?ter werden Capas Filme jener dramatischen Minuten zum gro?en Teil versehentlich zerst?rt – in einem englischen Fotolabor

"Omaha Beach" haben die alliierten Milit?rplaner den zehn Kilometer breiten Abschnitt vor ihnen genannt: ein etwa 200 Meter tiefer Strand, der bei Flut fast vollst?ndig überschwemmt ist, dahinter eine leicht ansteigende, noch einmal 200 Meter tiefe Kies-B?schung, begrenzt von einer über 30 Meter hohen Steilklippe. Dies ist der zentrale, aber auch unzug?nglichste Abschnitt jener 90 Kilo- meter Küste, die an diesem Tag attackiert wird. 40 000 GIs sollen allein hier angreifen, in mehreren Wellen. Zur Rechten von Stevens, au?erhalb seines Blickfeldes, liegt "Utah Beach". Auch er, wie Omaha, ein Ziel von US-Truppen. Zur Linken, bis auf die H?he von Caen, haben die Alliierten Str?nde mit den Codenamen "Gold", "Juno" und "Sword" als Angriffspunkte britischer und kanadischer Einhei ten bestimmt. An diesem 6. Juni sollen die alliierten Soldaten alle fünf Str?nde erobern, danach mehrere Kilometer tief ins Binnenland vorsto?en und Caen einnehmen: So sollen sie einen Brückenkopf erk?mpfen, eine erste Basis in Frankreich. Die Wehrmacht hat die Küste zu einem Teil ihres "Atlantikwalls" gemacht. Vor den Str?nden sind Balken in den Grund gerammt und kreuzf?rmige Hindernisse aus zers?gten Eisenbahnschienen: monstr?se Stahlgebilde, die Landungsboote aufrei?en sollen. Am Strand liegen, vergraben im Sand, Minen neben Stacheldrahtverhauen, Panzergr?ben und Betonsperren. In den Felsen stecken getarnte, mit Beton verst?rkte schachtartige L?cher, die Maschinengewehren, leichten Geschützen und M?rsern Deckung gew?hren und durch Schützengr?ben und Tunnel miteinander verbunden sind. Die Strandaufg?nge werden von "Widerstandsnestern" gesichert: durch Panzergr?ben und Minen geschützte Verteidigungsanlagen, aus deren gut getarnten Stellungen die Deutschen den ganzen Strand im Blick haben. Oben auf dem Kliff stehen massive Bunker. Grünbraune Tarnnetze überspannen ihre bis zu zwei Meter dicken Stahlbetonw?nde; in einigen dieser Festungen stehen moderne 88-Millimeter-Panzerabwehrkanonen, in anderen Beutewaffen aus allen Teilen Europas. Die US- Offiziere haben angekündigt, dass diese Stellungen vernichtet sind, wenn die GIs am Strand landen: 480 schwere B-24 Bomber sollen unmittelbar vor der Landung 1300 Tonnen Bomben auf Omaha Beach werfen, die Schiffe Hunderte Granaten verschie?en. Auf der Fahrt hat Stevens den Schatten der Bomberwolke gesehen und die Luftturbulenzen der Schiffsgranaten gespürt. Nun hofft er, auf ein Trümmerfeld zu treffen: auf zerst?rte Stahlsperren, zerschmetterte Bunker, tote Deutsche. Aber in dem kurzen ersten Augenblick, da die Bugklappe seines Landungsbootes f?llt, wird ihn wohl wie unz?hlige GIs Verwirrung und Angst packen: Der Strand liegt unberührt vor ihnen. Die deutschen Stellungen sind intakt; Stacheldrahtrollen und Stahlsperren liegen unverrückt im Sand. Und der Kirchturm des Ortes Vierville-sur-Mer direkt über Omaha Beach steht, als w?re hier kein Schuss gefallen. Irgendetwas ist schiefgelaufen...

D-Day: Invasion in der Normandie

Bedfort Boys: Viele der ersten Angreifer am Omaha Beach stammen aus der Kleinstadt Bedford, Virginia. Kaum einer wird zurückkehren.

Roy Stevens (1919–2007) Farmerjunge aus einer armen Familie

"Vor der Schlacht ist der Plan alles, doch in der Schlacht ist er nichts", so General Dwight D. Eisenhower. Der 53-J?hrige übernimmt im Dezember 1943 den Oberbefehl über die Operation "Overlord". Ihr Ziel: den Krieg ins Zentrum des Deutschen Reichs zu tragen, es zur Kapitulation zu zwingen. Eisenhower – klug, freundlich, vorsichtig – war im Ersten Weltkrieg und in der Zwischenkriegszeit Stabsoffizier ohne Kampfeinsatz, doch bew?hrte er sich als Organisator und als jemand, der Untergebene zu Loyalit?t inspirieren kann. 1934 urteilte ein Vorgesetzter: "Das ist der beste Offizier der Army. Wenn der n?chste Krieg kommt, sollte er bis zur Spitze gelangen." Als Deutschland den USA Ende 1941 den Krieg erkl?rt, ist es zun?chst ein Ringen im Atlantik: Deutsche U-Boote torpedieren an der US- Ostküste Dutzende Frachter und Tanker, amerikanische Zerst?rer bek?mpfen die unsichtbaren J?ger. 1942 werden die ersten US-Bomber auf Basen nach Gro?britannien verlegt. Im selben Jahr landen GIs in Nordafrika. Sp?ter folgt die Invasion auf Sizilien, dann die auf dem italienischen Festland. Alle drei Operationen werden von Eisenhower kommandiert. Doch in Italien kommen Briten und Amerikaner nur z?h voran. Zudem dr?ngt der sowjetische Staatschef Josef Stalin ungeduldig auf eine zweite Front im Westen. Auch US-Pr?sident Franklin D. Roosevelt und der britische Premier Winston Churchill wissen, dass sie sich einen direkten Weg ins deutsche Zentrum erzwingen müssen. Der Vormarsch muss im besetzten Frankreich beginnen: Dessen Küste liegt so nah an Gro?britannien, dass Bomber sie von den englischen Flugpl?tzen aus erreichen und Invasionsschiffe rasch dort eintreffen – das minimiert die Zeit, in der die langsamen Truppentransporter von der Wehrmacht entdeckt und angegriffen werden k?nnen. Zum anderen ist die Küste so lang gezogen, dass die Deutschen sie nicht überall gleich massiv zu verteidigen verm?gen. Und haben sich alliierte Armeen in Frankreich erst einmal festgesetzt, k?nnen sie von dort relativ schnell ostw?rts vorsto?en, Richtung Rhein. Die Alliierten müssen anderthalb Jahre warten, ehe die amerikanische Industrie die für die Invasion notwendigen Riesenmengen an Landungsbooten, gepanzerten Fahrzeugen, Flugzeugen, Waffen, Medikamentenpacks, Uniformen, Helmen, Stiefeln, Zelten, Funkger?ten produziert hat. Im Frühsommer 1944 stehen in den südenglischen H?fen 50.000 Fahrzeuge für den ersten Tag der Operation Overlord bereit: Panzer, Lastwagen, Jeeps, Motorr?der. In den Hafenbecken liegen sechs Schlachtschiffe. Mini-U-Boote kreuzen vor der franz?sischen Küste, um Verteidigungsstellungen auszusp?hen. Fast 11.000 Flugzeuge stehen in den Hangars und auf den Flugpl?tzen: Bomber und Jagdflieger, Transportmaschinen und Gleiter, die in gro?er H?he von Zugmaschinen ausgeklinkt werden und Angriffstruppen lautlos segelnd hinter feindliche Linien bringen sollen. Eisenhower ist seinem Gegner in fast allen Belangen deutlich überlegen. 175.000 K?pfe z?hlt seine Streitmacht. Bis auf wenige Berufsoffiziere sind es citizen-soldiers: junge Eingezogene. M?nner wie Ray und Roy Stevens. Oder wie Oberleutnant Ray Nance, 29 Jahre – ein Mitbürger der Zwillinge aus dem St?dtchen Bedford. Oder wie Earl Parker, der seine junge Frau schwanger zurücklassen musste und die inzwischen geborene Tochter noch nie gesehen hat. Auch er kommt aus Bedford. Denn das amerikanische Rekrutierungssystem, das M?nner aus einer Gemeinde der gleichen Einheit zuteilt, wird au?erordentlich viele Soldaten aus dem St?dtchen in Virginia an die Küste der Normandie spülen. Zu den Kampftruppen des 116. Regiments, das als erste Einheit auf Omaha Beach landen soll, geh?ren 34 "Bedford Boys". Zwei Drittel werden ihre Heimat nie wiedersehen.

D-Day: Invasion in der Normandie

Ray Stevens (1919–1944) Roys Zwillingsbruder, im gleichen Regiment

Fast zwei Jahre lang sind die Soldaten des 116. Regiments schon in Gro?britannien kaserniert. Etliche Monate haben sie in einem Stützpunkt bei Salisbury verbracht, den sie zu zweifelhaften Ehren ihres Kommandeurs "Colonel Canham’s Concentration Camp" tauften. Die Soldaten haben zu schie?en gelernt, beherrschen nun ihre Waffen. Und sie haben an entlegenen britischen Str?nden geübt, von Landungsbooten aus eine Küste zu stürmen. Die GIs flirten mit jungen Britinnen, verspotten ihre englischen Kameraden, deren Sold nicht einmal halb so hoch ist wie ihrer, schimpfen auf das erb?rmliche Essen. Südstaatler verweigern den wenigen schwarzen Soldaten der Einheiten den Zutritt zu den Kasinos. Auch wei?e Landsleute werden schroff behandelt: Im Frühjahr 1944 kommen neue Rekruten in das 116. Regiment – Yankees aus dem Norden, wie George Roach aus New York. Der steht nun vor Offizieren stramm, die ihn absichtlich im nahezu unverst?ndlichen Virginia-Slang ansprechen. W?hrend die GIs ausgebildet werden, inszenieren britische und amerikanische Planer die Operation "Fortitude", das vielleicht gr??te T?uschungsman?ver der Kriegsgeschichte: ?ltere Offiziere beziehen Stellung in Schottland und senden leicht zu entziffernde Funksprüche ab, andere bewegen h?lzerne Flugzeuge auf Landebahnen. Deutsche Abh?rspezialisten und Aufkl?rer sollen glauben, im Norden der Britischen Inseln sammle sich eine Armee. Und bei Dover schieben Soldaten Panzer aus Pappmachée und Gummi umher. Es soll wirken, als sei das Ziel der Invasion nicht die Normandie – sondern Calais. Auch vom britischen Geheimdienst enttarnte und nun als Doppelagenten arbeitende Spione melden falsche Truppenbewegungen. Die Wehrmachtsführung ist sich unschlüssig. Werden die Alliierten tats?chlich im Pas-de-Calais landen? Es w?re der ideale Ort, am n?chsten zu Gro?britannien. Oder in Norwegen? Weshalb g?be es sonst in Nordschottland so verd?chtig viele Aktivit?ten? Da die deutschen Gener?le zwar davon ausgehen, dass die Alliierten im Sommer 1944 landen wollen (die zahlreichen Truppen, Flugzeuge und Schiffe bleiben niemandem verborgen), aber nicht wissen, wann und wo, stehen sie vor einem Dilemma: Die vergleichsweise schwachen Wehrmachtseinheiten (die meisten Soldaten k?mpfen im Osten) müssen über mehrere Tausend Kilometer Küste verteilt werden. Auch unter den Alliierten sind zun?chst nur wenige Offiziere eingeweiht: Die Strategen haben bereits im Juni 1943 entschieden, die Küste der Normandie anzugreifen. Nicht gerade der ideale Ort für eine Invasion. Rund 150 Kilometer Meer trennen diesen Teil der Normandie vom n?chstgelegenen britischen Landstrich, das ist fast viermal die Strecke Dover–Calais. Die Invasionsflotte braucht also l?nger, um ihre Position zu erreichen – entsprechend früher k?nnten die Deutschen gewarnt werden. Zudem müssen die Angreifer, nachdem sie die Str?nde bei Caen erobert haben, die Seine überqueren, um Richtung Deutschland vorzurücken – der Fluss ist eine natürliche Barriere, die von der Wehrmacht gut verteidigt werden kann. Die alliierten Planer glauben aber, dass ein entscheidender Vorteil alle Nachteile aufwiegt: Gerade weil die normannische Küste so ungünstig liegt, wird sie weniger stark verteidigt. Bei Omaha Beach beispielsweise, so melden es alliierte Agenten, l?gen nur 800 Soldaten der 716. Infanteriedivision in Stellung: ?ltere M?nner, die meisten ohne Kampferfahrung – keine Gegner für die gut trainierten und gedrillten GIs. Am 28. Mai 1944 befiehlt Eisenhower schlie?lich: Der D-Day, der Tag der Invasion, soll der 5. Juni sein. (Als "D -Day" bezeichnen anglo-amerikanische Planer mindestens seit dem Ersten Weltkrieg einen Angriffstag.) Was die Alliierten nicht wissen: Zwei Monate zuvor hat eine neue Wehrmachtseinheit die Stellungen von Omaha Beach übernommen, drei Bataillone der 352. Division. Eine kampfkr?ftigere Truppe. Fast 1500 Mann.

D-Day: Invasion in der Normandie

Ray Nance (1914–2009) Mit 29 einer der ?ltesten der ?Bedford Boys?

Sonntag, 4. Juni 1944 , Hafen von Weymouth, früher Morgen.

Die Soldaten des 116. Regiments, unter ihnen die Bedford Boys, besteigen die beiden Transporter "SS Empire Javelin" und "USS Thomas Jefferson". George Roach aus New York betet einen Rosenkranz. Der Katholik wei?, dass seine Einheit zur ersten Landungswelle geh?rt. Die Spannung in den klammen Quartieren ist gro?. Ein Gefreiter namens Harry Parley zündet sich mit seinem Flammenwerfer eine Zigarette an – seine Kameraden springen beim Zischen der Waffe erschrocken in Deckung. 4.15 Uhr. Wetterkonferenz des alliierten Oberkommandos im Southwick House, einem Landsitz in Südengland. Ein Nordatlantiktief w?lzt sich heran mit niedrigen Wolken, Regen, Sturm. Schlimmer noch: Seit Tagen widersprechen sich die amerikanischen und britischen Meteorologen. Die Experten haben zwar die gleichen Messwerte – doch ihre Prognosen differieren. Wird der Sturm in den n?chsten Tagen so stark, dass die Landungsboote nicht ausfahren k?nnen? Werden die Wolken so dicht, dass die Bomber ihre Ziele nicht finden? Die Briten sind pessimistisch, die Amerikaner optimistisch. General Eisenhower entscheidet nach einer Bedenkzeit: Die Invasion wird um 24 Stunden verschoben. Die Soldaten der A-Kompanie des 116. Regiments erfahren davon, als die "SS Empire Javelin" am Nachmittag ihren Kurs ?ndert. Roy Stevens schleift sein Bajonett, um die Nervosit?t loszuwerden. Sp?ter besorgt er sich in der Schiffskantine Cookies, die er mit seinem Bruder Ray teilt – und mit Earl Parker. Der holt, w?hrend sie an der Reling stehen und auf das Meer starren, ein Foto seiner 16 Monate alten Tochter hervor, das ihm seine Frau gesandt hat, und zeigt es den Zwillingen. "Wenn ich sie nur einmal sehen k?nnte", sagt er, ?würde es mir nichts ausmachen, zu sterben.“ Es geht zurück in den Hafen. Die GIs haben eine stürmische, unruhige Nacht an Bord vor sich. 21.30 Uhr. Die Vorhersage ist jetzt etwas günstiger, wenn auch nicht gut: Wind, Regen und eine geschlossene, niedrige Wolkendecke, die aber mit der Morgend?mmerung aufrei?en wird, dann soll es 36 Stunden klar bleiben. Eisenhower wei?, dass er seine Armee nicht beliebig lange in den Schiffen warten lassen kann. Er gibt einen neuen Befehl: Angriff am 6. Juni. "H-Hour" – der Zeitpunkt der Landung – ist 6.30 Uhr, eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang. Am folgenden Tag entwirft Eisenhower eine Erkl?rung für den Fall, dass die Invasion scheitern sollte: Alle alliierten Soldaten h?tten heldenhaft gek?mpft, wo Fehler gemacht wurden, trage allein er die Verantwortung. Dann bleibt ihm nur noch, die Entwicklung der Dinge abzuwarten. Am D-Day wird der Oberbefehlshaber nicht einen einzigen Befehl geben.

D-Day: Invasion in der Normandie

Earl Parker (ca. 1918–1944) Ein Vater, der seine Tochter nie gesehen hat

Dienstag, 6. Juni, 0.16 Uhr.

Die ersten Toten. Alliierte Luftlandetruppen erreichen einige Kilometer hinter der Küste die Normandie. An einer Brücke über den Kanal, der Caen mit dem Meer verbindet, t?tet ein britischer Offizier einen deutschen Wachsoldaten; kurz darauf wird er selbst erschossen. 3.09 Uhr. Das Radar der Wehrmacht erfasst die Landungsflotte. Die Deutschen glauben, das schlechte Wetter verhindere eine Landung in diesen Tagen; viele Kommandeure sind daher auf dem Weg zu einer übung in der Bretagne oder auf Kurzurlaub in Paris. Wegen der alliierten T?uschungsman?ver wollen selbst jetzt manche nicht wahrhaben, dass ein Angriff bevorsteht. Vielleicht ist das alles ja nur eine Ablenkung, damit die Invasoren bei Calais leichteres Spiel haben? Dennoch sind die Verteidiger sp?testens zu diesem Zeitpunkt gewarnt (die Nachrichten von K?mpfen mit Fallschirmspringern kommen offenbar nur sp?rlich herein). Die Soldaten in den Bunkern bemannen alle verfügbaren Waffen. Sie müssen nur noch warten. 4.00 Uhr. An Deck der "SS Empire Javelin" und der anderen Truppentransporter sammeln sich die GIs, um in die Landungsboote zu steigen. Die Gef?hrte, die an den Davits, den Kr?nen an der Seite der Transporter, h?ngen, werden zu Wasser gelassen. Dann steigen die Soldaten an Netzen über die Bordwand hinab zu den auf den Wellen schwankenden Booten. Einige M?nner quetschen sich dabei K?rperteile, brechen sich sogar Knochen, drei sterben. Mindestens zehn Landungsboote schlagen voll. über Lautsprecher h?rt Ray Stevens eine Botschaft Eisenhowers: "Soldaten, Seeleute und Piloten der alliierten Invasionstruppen! Ihr beginnt den Gro?en Kreuzzug, den wir so viele Monate vorbereitet haben. Ihr werdet die deutsche Kriegsmaschine zerst?ren, die Nazi-Tyrannei über die unterdrückten V?lker Europas vernichten und Sicherheit für uns in einer freien Welt schaffen." Die GIs der A-Kompanie stellen sich vor sieben Landungsbooten auf: Sechs Gef?hrte sollen je 30 Mann um 6.30 Uhr auf Omaha Beach absetzen. Das siebte Boot soll 19 Minuten sp?ter eintreffen: Oberleutnant Ray Nance und 16 Soldaten werden dann, so lautet der Plan, mit ihren sperrigen Funkger?ten landen. Roy Stevens ist für LCA 911 eingeteilt. Viele Soldaten auf der "SS Empire Javelin" schütteln sich noch einmal die H?nde. Auch Ray h?lt ihm die Rechte hin. "Ich werde sie dir schütteln, wenn wir in Vierville-sur-Mer sind", sagt Roy, "an der Kreuzung oberhalb des Strandes. Sp?ter irgendwann an diesem Morgen." "Ich werde es nicht schaffen", antwortet Ray, die Hand noch ausgestreckt. Roy weigert sich weiterhin. Dann steigt er in LCA 911. 4.30 Uhr. Die Landungsboote sind im Wasser, nehmen Fahrt auf. Die Wellen treffen sie wie Hammerschl?ge. 5.30 Uhr. Andere Landungsboote sollen etwa fünf Kilometer vor dem Strand die schwimmf?higen Sherman-Panzer ins Wasser lassen, die ersten Einheiten, die anlanden sollen. Doch für die Kolosse ist der Seegang zu stark: Binnen Minuten sinken 27 der 32 für den linken Abschnitt vorgesehenen Panzer im Meer. Und mit ihnen die Besatzungen.

D-Day: Invasion in der Normandie

Stellenweise sind die 30 Meter hohen Felsen der normannischen Küste unzug?nglich wie Bergw?nde – kletternd k?mpfen sich Soldaten einer Spezialeinheit an Seilen nach oben, die von See aus bei Omaha in die Felsen geschossen wurden

Am rechten Abschnitt hat Kapit?nleutnant Dean Rockwell das Kommando, ein früherer Footballtrainer, der sich zur Marine gemeldet hat. Er sieht, dass die Panzer untergehen – und ignoriert den Befehl, Funkstille zu halten. Er sendet seinen acht Booten, die jeweils vier Kettenfahrzeuge transportieren, die Order, n?her an den Strand zu steuern und erst dort die Shermans von Deck rollen zu lassen. Gegen 6.00 Uhr. In diesem Augenblick ist Eisenhowers Plan für Omaha Beach nichts mehr wert. Die Wolkendecke verwirrt die Bomberpiloten, sie sehen die Küstenlinie nicht – und fliegen zu weit. Ihre Bomben fallen ins Hinterland, verwüsten die Felder normannischer Bauern. Die deutschen Stellungen am Strand aber verfehlen sie, dort f?llt keine einzige Bombe. Die Salven der Schlachtschiffe wiederum richten kaum Sch?den an, und die Raketen der Transporter klatschen allesamt vor dem Strand ins Wasser. Etwa 6.05 Uhr. Oberleutnant Ray Nance schiebt eine schmale Platte im Bug des Landungsbootes zurück, um hinauszusehen: Rauch – wohl von dem Beschuss durch die Schlachtschiffe – schwebt wie eine Wolke über Omaha Beach. Keine klare Sicht auf die Steilküste. Nance schlie?t die ?ffnung. Sein Boot schwankt so sehr, dass seinem Kameraden die Antenne des Funkger?ts abgebrochen ist – der Apparat ist nun nutzlos. Nance befiehlt, ihn dennoch an den Strand zu tragen. Vielleicht kann man die Anlage dort reparieren. Gegen 6.15 Uhr. Der Dieselmotor von LCA 911 mit Roy Stevens an Bord r?hrt auf, als der Bootsführer volle Kraft gibt. "Wir sind auf unserem Weg hinein!", ruft jemand. Roy betet. Pl?tzlich spritzt Wasser auf: Artilleriefeuer vom Ufer. "Wir sinken!", schreit einer an Bord – und im gleichen Moment schon verschwindet der Bug im Meer. Roy Stevens stürzt ins Wasser, etwa einen Kilometer vor der Küste, rei?t an den CO2-Patronen seiner Rettungsweste. Die bl?ht sich auf – doch seine Ausrüstung und die Uniform, vollgestopft mit Munition und Handgranaten, sind so schwer, dass er sich kaum über Wasser halten kann. "Ich ertrinke!", h?rt er einen seiner Kameraden. Von den 30 Soldaten an Bord haben etliche nie richtig schwimmen gelernt. Der erste GI geht unter. Die anderen Landungsboote fahren mit voller Kraft weiter. Ihre Bootsführer haben den Befehl, auf keinen Fall w?hrend des Angriffs anzuhalten, um Schiffbrüchige aufzunehmen. Zu gef?hrlich. 6.29 Uhr. H-Hour minus einer Minute. Das erste Landungsboot ist am Ufer – LCT 535 von Dean Rockwell. Die Schwimmpanzer rumpeln von der Rampe in das etwa einen Meter tiefe Wasser.

D-Day: Invasion in der Normandie

Verletzte und fast Ertrunkene werden von Kameraden w?hrend des Gefechtes den Strand hinaufgezogen. Jeder Soldat hat Morphiumspritzen gegen die ?rgsten Schmerzen im Gep?ck, mehr aber nicht. Und viele Sanit?ter verlieren bei der chaotischen Landung ihre Ausrüstung

6.30 Uhr. H-Hour.

Die A-Kompanie des 116. Regiments geh?rt zu den ersten am Strand und ist ungef?hr dort, wo sie auch sein soll. Etliche Landungsboote aber verfehlen ihre Ziele. Auf Hunderten Metern ist der Strand frei, an anderen Stellen treffen dagegen viel zu viele Trupps ungeordnet auf Land. "Wir lassen die Rampe herunter. Und sobald wir das tun, fahren wir wieder zurück. Also haltet euch bereit!", ruft ein Bugmann im Boot von George Roach. Der Oberleutnant ihrer Gruppe stürzt als Erster heraus, Roach und die anderen stolpern über die Rampe hinterher. Sofort wird von überall her geschossen, zu h?ren ist der kurze, scharfe Knall von Gewehrfeuer, das "Tak-Tak-Tak" der MGs, das h?mmert wie Hagel auf Blech. M?rser- und Schrapnellgranaten fliegen heulend heran. Dann der Knall explodierender Boote und Panzer und das Schreien der Verwundeten – ein infernalischer L?rm, in dem es so ist, als habe man auf einmal sein Geh?r verloren. Für Roach und seine Kameraden – für diejenigen zumindest, die die ersten Sekunden überleben – ist es wie ein Albtraum, in wirrer Hektik und zugleich in gedehnter Zeit, mit einzelnen Szenen, aber ohne zusammenh?ngende Handlung: MG-Kugeln, die eine lange Reihe kleiner Sandfont?nen im Strand hochjagen; ein Soldat, dem pl?tzlich der Kopf zerspringt; ein Seemann, der in hohem Bogen durch die Luft fliegt, als sein Landungsboot auf eine Mine l?uft und explodiert; abgerissene Arme und Beine am Strand, die wirken, als habe jemand einen Teil seiner Ausrüstung weggeworfen; ein Soldat, der auf der Rampe vorausl?uft, durchs Wasser watet und pl?tzlich in einem von den Gezeiten gezogenen tiefen Graben versinkt. Roach, beladen mit mehr als 50 Kilo Ausrüstung, taumelt durch das seichte Wasser, in dem schon Tote treiben. Auf dem Sand wirft er sich hin, rei?t sein Gewehr an die Schulter und feuert. "Worauf schie?t du?", schreit ihm sein Oberfeldwebel zu. "Keine Ahnung!", ruft er zurück. Er liegt fast ohne Deckung an dem sanft ansteigenden Strand, einige Dutzend Meter vor einem Wall aus niedrigen Kiesdünen. Irgendwo dahinter ragen zerklüftete Klippen auf und begrenzen den Horizont. Von überall wird geschossen, doch die deutschen Stellungen sind so gut getarnt, dass nicht einmal das Mündungsfeuer zu sehen ist. Roach wei? nicht, was er tun soll. Sein Oberleutnant ist tot – wahrscheinlich, das werden überlebende sp?ter aussagen, von einer Maschinengewehrsalve in zwei Teile zerschossen. Sein Oberfeldwebel stirbt kurz darauf. Bald ist von den Kameraden in seiner Umgebung nur noch einer am Leben. Der aber hat seine Brille verloren und ist nun fast blind. "Kannst du schwimmen?", fragt Roach. "Nein." Sie robben trotzdem zurück ins Wasser, um hinter einem abgeschossenen Sherman Schutz zu finden. Drei M?nner mit von Verbrennungen entstellten Gesichtern treiben hinter dem Panzer im Wasser: überlebende der Besatzung. Hinter dem Turm des Sherman hockt der Kommandant. Sein linkes Bein ist unterhalb des Knies abgerissen, ein Knochen ragt ins Wasser. Der halbblinde GI kriecht in das Panzerwrack, tastet, findet ein Medizinpack und darin eine Spritze Morphium. Die geben sie dem Verwundeten. Doch der Kommandant, offenbar unter Schock, will an Land schwimmen. Er ruft seine Crew, die ihm ins Wasser hilft, irgendwie schwimmen sie davon. Roach wird keinen der vier Panzerfahrer je wiedersehen. Er bleibt hinter dem Sherman in Deckung, ebenso sein Kamerad. Doch von hinten kriecht das Meer heran, die Flut l?uft auf. Bald schon müssen sie auf den Panzer steigen. Dann auf dessen Turm. Und dann wird auch der überflutet.

D-Day: Invasion in der Normandie

Oberbefehlshaber Dwight D. Eisenhower legt das Invasionsziel fest: fünf mit Code namen bezeichnete Str?nde ?stlich der Halbinsel Cotentin in der Normandie. Die Landung gelingt, doch die deutschen Verteidiger wehren sich erbittert

Der Gefreite Harry Parley springt von der Rampe ins Wasser – und geht sofort unter. Wie so viele GIs an diesem Morgen untersch?tzt er, wie tief das Meer hier noch ist. Neben seiner normalen Ausrüstung tr?gt er den 40 Kilogramm schweren Flammenwerfer, der ihn nun in die Tiefe zerrt. Ein Soldat, der ihn gerade noch zu packen bekommt und in flacheres Wasser zieht, rettet ihm das Leben. Hustend taumelt Parley über den Strand nach vorn. Eine kleine Erh?hung von etwa zwei Metern dort, wo der Kiesstreifen beginnt, ist die einzige Deckung. Er wankt vorw?rts, w?hrend Kameraden vor ihm getroffen zusammenbrechen. Die Geschütze der deutschen Verteidiger und die Kanonen der wenigen noch intakten Sherman-Panzer r?hren. Bei?ender Qualm zieht durch die Luft. Parley schafft es bis zum Kiesstreifen und wirft sich hin. überall GIs, viele verwundet; sie kriechen auf allen vieren, müssen sich anbrüllen, um sich im L?rm verst?ndlich zu machen. Wo sind sie? Die meisten Offiziere sind bereits tot; einer – mit halb abgerissenem linken Arm – versucht, Ordnung in seine Einheit zu bringen, doch dann wird auch er t?dlich getroffen. Parley will sich im Liegen am Strand eingraben – vergebens. Er greift sich ein weggeworfenes Gewehr, um auf die Deutschen zu schie?en – aber er kann nichts erkennen. Er zerrt ein paar verwundete GIs vom Strand, bevor sie hilflos in der anrückenden Flut ertrinken. Konfusion. Niemand wei?, wo er ist, wo er hin soll und was als N?chstes zu tun ist. Parley betet.

D-Day: Invasion in der Normandie

Fast 2000 Angreifer sterben allein auf Omaha Beach, Panzerwracks und Waffen liegen im Sand. Als die Amerikaner den Strand endlich eingenommen haben, legen sie zwei Gewehre neben diesen Gefallenen – als improvisiertes Totenkreuz

6.49 Uhr.

Oberleutnant Ray Nance stürmt, sein Gewehr über dem Kopf, um es vor den Wogen zu schützen, vom Landungsboot. Wo sind die M?nner seiner Einheit? Niemand zu sehen. Dann erkennt er sie: Tote im Sand. M?rsergranaten. MG-Kugeln. Sein Funker mit dem schweren, besch?digten Ger?t kriecht nur langsam voran. "Beweg dich, beweg dich!", be fiehlt Nance. "Ich bin getroffen worden." "Kannst du dich noch bewegen?" Keine Antwort: Der Funker ist verschwunden. Die meisten anderen Soldaten, die mit ihm vom Boot stürmten, fallen blutend in den Sand. Dann begreift Nance, dass ihn ein deutscher MG-Schütze offenbar unter Feuer nimmt. Sandfont?nen der Geschosse spritzen auf, immer n?her. Nance wirft sich hin, den Kopf in die Richtung, aus der die Kugeln kommen. So bietet er dem unsichtbaren Verteidiger ein kleineres Ziel – und sollte dieser ihn doch treffen, ist das Leiden sofort vorbei: Kopfschuss. Dann entfernen sich die Einschl?ge – offenbar hat der Deutsche ein anderes Ziel gefunden. Nance robbt vorw?rts; das Feuer kommt wieder n?her. Ein harter Schlag gegen seinen rechten Fu?. Er ist verletzt. Das Feuer treibt erneut ab. Der Offizier zieht sich weiter, sieht eine von der Str?mung geformte Mulde im Sand, voll Meerwasser. Er wirft sich hinein, taucht unter. Kugeln im Wasser. Er taucht auf, taucht unter, endlos. Sein Gewehr ist l?ngst von Sand und Wasser unbrauchbar. Dann wieder hoch, weiter, nur weiter. Nance erreicht, blutend, waffenlos, ersch?pft und ohne M?nner, die ihm folgen, den Fu? der Steilklippe, wo er in Deckung geht. Er ist einer von nur drei Offizieren seiner Kompanie, die auf Omaha Beach noch leben. 7.00 Uhr. Die zweite Landungswelle. Nach Eisenhowers Plan h?tten die Soldaten der ersten Welle bereits den Strand sichern und nun die Stellungen in den Klippen sowie die fünf schmalen Hohlwege vom Strand zum Hinterland angreifen sollen. Doch Omaha Beach ist alles andere als sicher: Im schwarzen Qualm liegen ausgebrannte oder halb versunkene Panzer und Jeeps. Tote, manche grausig verstümmelt, treiben im Meer. Am Strand liegt all das, was die GIs in der Panik des ersten Angriffs fallen lie?en: Gewehre, M?rser, Schaufeln, Munition, auch Bibeln, Gedichtb?nde, Zigaretten, sogar ein Tennisschl?ger. Die Bootsführer der Landungsboote fürchten sich, als sie die zerschossenen Wracks der ersten Welle entdecken. Manche kreuzen parallel zum Strand, auf der verzweifelten Suche nach einer Lücke in der Sperre aus Stahl und Minen. Ein Seemann wird schlie?lich von einem wütenden Offizier mit vorgehaltener Waffe gezwungen, landeinw?rts zu drehen. Andere lassen die Rampen viel zu früh herunter: Etliche Soldaten versinken im Wasser. Immerhin haben all jene, die nun im Meer um ihr Leben k?mpfen, wenigstens eine Chance. So wie George Roach, der mit seinem fast blinden Kameraden auf dem ausgebrannten Panzer steht, bis die Flut die M?nner erreicht. Roach schwimmt wieder auf den Strand zu – beide werden schlie?lich von Booten gerettet. Oder wie Roy Stevens, dessen Landungsboot vor der Küste versenkt wurde. Er treibt immer noch mit den Kameraden, die nicht vor Ersch?pfung gestorben sind, in den Wogen. Da h?rt er jemanden mit englischem Akzent rufen: Ein zurückkehrendes Landungsboot der ersten Welle dreht bei, die Briten ziehen die entkr?fteten GIs an Bord. Roy erbricht Seewasser auf den Boden. Dann erkennt er, dass bereits mehrere seiner Kameraden auf dem Landungsboot sind. Einem Bedford Boy hat die Kugel einer Panzerbüchse die Schulter so schrecklich aufgerissen, dass man das Herz schlagen sieht. Eine Stunde sp?ter ist er verblutet. Stevens wird mit den anderen überlebenden zur "SS Empire Javelin" zurückgebracht. Irgendjemand zerschneidet mit einem Messer seine wassergtr?nkte Ausrüstung und zerrt sie ihm vom Leib. Die physische Last ist er los – eine andere Last aber wird ihm für den Rest seines Lebens bleiben: das Gefühl, die Kameraden, die nun an Land k?mpfen, im Stich gelassen zu haben. Denn Omaha Beach wird Oberfeldwebel Roy Stevens an diesem 6. Juni 1944 nicht erreichen.

D-Day: Invasion in der Normandie

Tor zu Europa: Nachdem sie die Küste der Normandie erobert haben, landen die Alliierten mit Schiffen, die durch Ballons gegen Tiefflieger geschützt sind, fortan t?glich Zehntausende Soldaten und unz?hlige Waffen an normannischen Str?nden an. Eine Riesenarmee, der die Wehrmacht bald hoffnungslos unterlegen ist

7.30 Uhr.

General Norman Cota hechtet an Land. Auch er, eine kalte Zigarre zwischen den Z?hnen, wei? nicht, wo seine Soldaten sind und was sie machen. Parley und ein paar Hundert andere leben noch und kauern hinter niedrigen Kieshaufen, mit Minen gespickten Stahlsperren oder Panzerwracks. Viele GIs sind ohne Helm und waffenlos, sind hungrig, müde, nass und durchgefroren. W?re dies eine normale Schlacht, das H?uflein entmutigter M?nner h?tte sie bereits verloren. Doch es gibt kein Zurück. In ihrem Rücken sind Strand und Meer – freies Schussfeld für die Wehrmachtssoldaten, eine Flucht ist nicht m?glich. Vor ihnen sind getarnte Stellungen, aus denen so heftig gefeuert wird, dass niemand mit erhobenen H?nden aufzustehen wagt. Also kann man sich auch nicht ergeben. Die Farmerjungen aus Virginia werden in diesen Stunden zu tollkühnen Helden aus schierer Not. Wer nicht hilflos liegen bleiben und so lange warten will, bis ihn eine Kugel trifft, der muss in die Felsen – und sie erstürmen. Denn alle Hohlwege sind nach wie vor in den H?nden der Deutschen. 8.30 Uhr. Mehrere Funker sind mit den ersten GIs an Land gegangen, doch die meisten sind tot oder haben ihre Ger?te verloren. Acht von zw?lf Sanit?ter-Teams haben es bis zum Strand geschafft, doch ohne wichtige Ausrüstung. (Tats?chlich geh?ren zu den ersten Sanit?tern auf Omaha Beach Soldaten des medizinischen Hauptquartiers, die Schreibmaschinen, aber keine Medikamente an Land schleppen.) Auf Omaha Beach entscheidet der als "Beachmaster" verantwortliche Marineoffizier: Der Strand ist überfüllt, keine weiteren Verst?rkungen! Die Landungsboote ziehen Kreise vor dem Strand. Was die Offiziere auf den Schiffen nicht sehen, ist der unorganisierte Kampf der überlebenden. überall am Omaha Beach scharen die wenigen Offiziere und Unteroffiziere ein paar Mann um sich und kriechen in die Klippen, wo sie, anders als am Strand, hinter Felsen in Deckung gehen k?nnen. Zu den Soldaten sto?en Seeleute, deren Landungsboote versenkt worden sind. General Cota, Colt in der Faust, erreicht die B?schung aus Kieselsteinen. Granatsplitter, gro? wie Spatenschaufeln, rei?en gr?ssliche Wunden in Soldaten links und rechts neben ihm. Er ruft M?nner zusammen und befiehlt ihnen, nach den überall im Sand liegenden Waffen zu greifen. Strandgras, das vor den Klippen w?chst, ist von Geschossen in Brand gesetzt worden. Der Rauch schr?nkt die Sicht der Verteidiger ein: die Chance zum Angriff. Einige seiner GIs sprengen eine Bresche durch einen Stacheldrahtverhau vor dem Fu? der Steilklippe. Der erste Soldat, der hindurchstürmt, wird aber trotz des Qualms von MG-Kugeln niedergestreckt. "Sanit?ter!", ruft er. "Ich bin getroffen worden!" Minuten sp?ter, schluchzend: "Mama", immer wieder. Dann nichts mehr. Seine Kameraden, in Panik, wagen sich nicht aus der Deckung. Schlie?lich ist es Cota selbst, der als Erster durch die Bresche stürmt. Ihm folgen die anderen Soldaten. Sie erreichen den Fu? der Klippen. Die Steilküste, die aus der Entfernung wie eine Wand wirkt, ist in Wirklichkeit zerfurcht und rissig. Hohes, spitzes Strandgras w?chst zwischen den Steinen. In Rinnen oder steilen Wegen klettern die M?nner hinauf. überall sind Minen versteckt. Cotas Trupp ist ersch?pft und langsam. Andererseits bewegen sie sich endlich im toten Winkel der Verteidiger: Für viele Deutsche, die in festen Stel lun gen schr?g über ihnen ausharren, sind sie unsichtbar. Granaten jedoch heulen von oben herab. Eine verwundet Cotas Funker schwer und schleudert einen Leutnant gut 20 Meter von den Klippen in die Tiefe – wo der Mann unglaublicherweise fast unverletzt aufschl?gt

Endlich kann sich Cota mit seinem zusammengewürfelten Trupp, wohl ein paar Dutzend Mann, bis zur Oberkante der Steilküste hochk?mpfen. Hecken, kleine Felder, Stra?en, Apfelb?ume. Andere GIs nehmen inzwischen die ersten Gefangenen. Wohl einige Dutzend Wehrmachtsangeh?rige überleben das nur um wenige Augenblicke: US-Soldaten, rasend vor Zorn über das Grauen am Strand, sollen Deutsche, die sich bereits ergeben haben, rücksichtslos niedergeschossen haben. (Und in mindestens einem Fall, so berichtet es ein GI, ermorden sie sp?ter an diesem Tag auch franz?sische Zivi listen, die sie für Artilleriebeobachter in deutschen Diensten halten.) Eine mutige Entscheidung rettet die K?mpfer am Strand schlie?lich vor der Vernichtung. Wenige Kilometer vor der Küste dümpeln alliierte Zerst?rer, deren Kapit?ne eigentlich den strikten Befehl haben, nach dem Beginn der Landung nur dann wieder das Feuer zu er?ffnen, wenn es die GIs mit genauer Zielangabe per Funk angefordert haben. Doch als nach anderthalb Stunden noch immer kein Funkkontakt zum Land zustande kommt, erhalten sie die Weisung, selbstst?ndig Ziele zu suchen und anzugreifen. Die Besatzung der "USS McCook" ist die erste, die auf eigene Initiative so nah wie m?glich an die Küste heranf?hrt und deutsche Stellungen beschie?t. Die schweren Bunker k?nnen sie mit ihren Kanonen nicht zerst?ren, doch für die Deutschen, die sich in den Klippen und L?chern verschanzt haben, ist der pr?zise Beschuss verheerend. Ihr Abwehrfeuer wird schw?cher.

9.00 Uhr.

Rund 600 GIs haben es bis über die Klippen geschafft, Versprengte des 116. Regiments und anderer Einheiten. Die ersten Amerikaner erreichen die massiven Bunker, in denen die schweren deutschen Geschütze installiert sind. Vor einem Zugang stellen sie einen Lastwagen voll mit TNT ab und zünden es. Als sie anschlie?end die Festung stürmen, sind alle Wehrmachtssoldaten ?u?erlich unverletzt – nur aus Mund und Nase l?uft ihnen Blut. Alle sind umgekommen, in einem Augenblick get?tet von der immensen Druckwelle des explodierenden Sprengstoffs. General Cota wird mit einem MG beschossen. Seine M?nner werfen sich nieder. "Jetzt wollen wir doch mal se hen, was ihr für Kerle seid", ruft er – und sprintet voran. Laufend, dabei auf Hecken und H?user feuernd, stürmen die GIs auf das St?dtchen Vierville-sur-Mer zu, vorbei an niedergeschossenen Deutschen; einem toten Verteidiger glimmt noch die halb gerauchte Zigarre zwischen den Lippen. Als sich eine weitere Gruppe von GIs den Strandaufgang des St?dtchens hinaufk?mpft, trifft sie oben auf General Cota, der seinen Colt um den Zeigefinger kreisen l?sst wie ein Revolverheld aus dem Wilden Westen und fragt: "Wo habt ihr gesteckt, Jungs?" Gemeinsam stürmen sie Vierville-sur-Mer und sehen die ersten Menschen, zu deren Befreiung sie gekommen sind: einige Dorfbewohner, die in einem Gesch?ft Milch trinken. Rund 400 Deutsche, so berichten die Franzosen, h?tten den Ort besetzt, doch alle seien geflohen, als die Schiffe ihr massives Feuer er?ffneten.

2.30 Uhr.

So heftig die K?mpfe am Morgen auch waren, so sporadisch sind sie nun. Die Landung ist gelungen. General Cota pers?nlich leitet eine Patrouille von Vierville-sur-Mer wieder hinunter zum Omaha Beach, wo noch Hunderte GIs ersch?pft, geschockt und führerlos hinter Panzerwracks und Dünen in Deckung liegen. Um sich vor Minen zu schützen, l?sst der General einen deutschen Kriegsgefangenen vorangehen und tritt genau in dessen Spuren. Tats?chlich gelangt er unbeschadet unten an, treibt die entmutigten Soldaten hoch – und bringt einen sogar dazu, einen verlassenen, doch offenbar unbesch?digten Panzer den Strandaufgang hinaufzusteuern. Es ist der erste Koloss, der auf die Anh?he rumpelt. Da Soldaten auf Omaha Beach inzwischen Wracks beiseiteger?umt und Minenfelder gesprengt haben, landen neue Truppen an: 18 772 Amerikaner sind schon ans Ufer gelangt. Die GIs halten Vierville-sur-Mer, doch sie kommen nicht weiter. Das liegt vor allem am unübersichtlichen Gel?nde: von Hecken durchzogene Felder, ideales Terrain für Hinterhalte, Scharfschützen und befestigte Stellungen. Zudem l?hmt die M?nner geistige und k?rperliche Ersch?pfung. Viele GIs finden, dass es genug für diesen Tag ist, den Sturm auf den Strand überlebt zu haben. "Ich hatte einen gro?en Krug Wein befreit, und wir tranken alle einen tiefen Schluck", erinnert sich sp?ter ein Unteroffizier. 13.50 Uhr. Ein übernerv?ser Soldat, noch unten auf Omaha Beach, sendet per Signalzeichen an den Zerst?rer "USS Harding": "In Kirchturmspitze feindlicher Artilleriebeobachter vermutet." Es ist der Kirchturm von Vierville-sur-Mer. Niemand am Strand oder an Bord der "USS Harding" wei?, dass der Ort bereits seit Stunden in amerikanischer Hand ist. Der Zerst?rer feuert 40 Granaten in das Dorf, die nicht nur die Kirche zertrümmern, sondern auch das Haus des Bürgermeisters und die B?ckerei. Das Baby des B?ckers, ein Kinderm?dchen und mehrere GIs sterben. Zu dieser Zeit k?mpft Harry Parley irgendwo au?erhalb des Dorfes. "Wir bewegten uns wie eine kleine Bande von Outlaws, die meiste Zeit wussten wir nicht, wo wir sind. Oft trafen wir andere Gruppen wie unsere, vereinigten uns mit ihnen oder trennten uns, je nach Lage, und fragten immer nach irgendwelchen Neuigkeiten von der eigenen Kompanie oder vom eigenen Bataillon." Einmal h?rt er das Rasseln schwerer Ketten, dann den Krach einer deutschen Kanone, sieht aber nichts. Parley macht kehrt, hastet zurück und springt in einen Stra?engraben – wo schon ein ?lterer Unteroffizier in Deckung liegt. "Es ist ein Panzer! Was sollen wir nun tun?", schreit er. Der Mann sieht ihn ruhig an. "Entspann dich, Junge, vielleicht f?hrt er weg." Der Veteran beh?lt recht.

Abend.

Die Amerikaner haben Omaha Beach genommen, Vierville-sur-Mer sowie einige Stra?enzüge von St. Laurent. Colleville-sur-Mer weiter ?stlich wird von den Deutschen erbittert verteidigt. 40.000 Soldaten sollten an diesem Strand landen, nur etwa 35 000 ist es gelungen. Mehr als 2000 Tote, Verwundete oder Vermisste werden gemeldet – vor allem von den Einheiten der ersten Landungswelle. Die A-Kompanie des 116. Regiments existiert praktisch nicht mehr, nur ein paar Dutzend der rund 200 M?nner leben noch, und auch die sind fast alle verwundet. Eisenhowers Ziele sind am D-Day auf Omaha Beach nicht ganz erreicht worden: Auch die anderen amerikanischen, britischen und kanadischen Truppen haben, trotz schw?cheren Widerstandes, weniger Terrain erobert als geplant. Dennoch: Nur wenige Tage in diesem jahrelangen Ringen haben neben ihren milit?rischen auch derart weitreichende politische, ja psychologische Folgen: Viele Menschen in den von Deutschland besetzten L?ndern, aber auch manche im Reich selbst spüren, dass dies der Anfang vom Ende der Diktatur Adolf Hitlers ist. "'This is D-day', sagte um zw?lf Uhr das englische Radio!", schreibt beispielsweise Anne Frank in ihrem Amsterdamer Versteck in ihr Tagebuch. "Sollte denn nun wirklich die lang ersehnte Befreiung nahen? Wir wissen es noch nicht, aber die Hoffnung belebt uns, gibt uns wieder Mut, macht uns wieder stark." Die wenigen Quadratkilometer Normandie, die am D-Day erobert werden, sind der entscheidende Riss im Atlantikwall: Von nun an landen die Alliierten dort Verst?rkungen an. Mit 146 vorfabrizierten, bis zu 6000 Tonnen schweren, schwimmf?higen Betonk?sten beginnen sie einen Tag nach der Invasion vor den Str?nden einen künstlichen Hafen zu bauen, in dem Schiffe bald schnell entladen werden: Ende Juni erreichen über flexible Brücken t?glich mehr als 14.000 Tonnen Material und Fahrzeuge das Ufer. 850.000 alliierte Soldaten sind inzwischen eingetroffen. Zwei Monate lang k?mpfen Alliierte und Wehrmacht um die Normandie, dann haben Eisenhowers Truppen den Widerstand gebrochen – und der Vorsto? nach Deutschland kann beginnen. Am 21. Oktober 1944, 137 Tage nach dem D -Day, f?llt Aachen als erste deutsche Gro?stadt in amerikanische Hand. Ende M?rz 1945 stehen Briten und Amerikaner am Rhein, am 7. Mai 1945 kapituliert die Wehrmacht in Eisenhowers Hauptquartier im franz?sischen Reims: Elf Monate nach dem D-Day ist der Krieg in Europa beendet.

Von den 34 Bedford Boys k?mpft da schon l?ngst keiner mehr. 19 fallen am D-Day, drei noch w?hrend der K?mpfe in der Normandie. Am 11. Juli sind alle Bedford Boys des 116. Regiments entweder tot oder verwundet – keine US-Gemeinde zahlt einen h?heren Blutzoll. Oberleutnant Ray Nance, dem der Fu? zerschossen wurde, kehrt Ende 1944 nach Bedford zurück. Dort macht er als Brieftr?ger die Runde von Haus zu Haus, bei Nachbarn, Freunden, für deren S?hne er als Offizier verantwortlich war – und die nie wiederkehren. Noch 50 Jahre sp?ter werden ihn Albtr?ume plagen. Earl Parker wird seine Tochter niemals sehen – und die wird nie am Grab ihres Vaters stehen. Denn von Parkers Tod am Omaha Beach gibt es keine Augenzeugen, seine Leiche wurde nie gefunden. Wahrscheinlich hat das Meer sie fortgespült. Roy Stevens, der als Schiffbrüchiger Omaha Beach am D-Day nicht erreichte, wird erst am 11. Juni angelandet. Auf einem improvisierten alliierten Soldatenfriedhof, auf dem die Erkennungsmarken der GIs an Grabkreuzen h?ngen, entdeckt er die Marke seines Zwillingsbruders Ray. Er meldet sich daraufhin für selbstm?rderisch gef?hrliche Kommandos. Tats?chlich wird er am 30. Juni 1944 durch eine Sprengfalle schwer verletzt, aber er überlebt. Aus dem Hospital in England schreibt er ein Gedicht an seine Mutter: "Ich sagte meinem Bruder Lebewohl. Dachte nicht, dass es so bald sein würde. Ich hatte für unsere Zukunft gebetet. Dieser sch?ne Ort namens Heimat, doch das Gebet eines Sünders wurde nicht erh?rt. Nun muss ich dorthin alleine gehen."

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